Kubiniana IV

Im Tode wird das Subjekt zur Diagonale zwischen dem Raum und der Zeit, möge Sie das trösten!

 

Alfred Kubin, „Die andere Seite“

Judith Unterpertinger (Composer in Residence)
lyse, Auftragswerk Festival 4020 (UA)
Magdalena Knapp-Menzel, Text

Bernhard Landauer, Countertenor
Eva Münzberg, Viola da Gamba
Samer Habibi, Kamanché
Alireza Mollahosseini, Tombak
Richard Eigner, Schlagzeug
Juun, Pianoguts
Alfred Reiter, Klangregie

Die Autorin Magdalena Knapp-Menzel und die Komponistin Judith Unterpertinger haben bereits mehrfach zusammengearbeitet, zuletzt bei der Tanzoper „JUDITH | Schnitt_Blende“ 2015. In Unterpertingers neuem Stück, einem Auftragswerk des Festivals 4020, treffen unterschiedliche Welten aufeinander: Ausgehend von Alfred Kubins Roman „Die andere Seite“ und einer Recherche-Reise in den Iran, wo sie sich mit der Musik vor Ort auseinandersetzte und Field Recordings machte, verschränkt sie Sprache mit frei improvisierten sowie komponierten Passagen zu einem vielschichtigen Ganzen.

Ein starkes Bild evoziert der Werktitel „lyse“: Er bezieht sich auf den biologischen Zerfallsprozess einer Zelle und öffnet damit einen Assoziationsraum, der sich auch in Alfred Kubins Roman konkret wiederfindet: die Innen- und die Außenwelt – die Innenwelt im Falle der Stadt Perle abgeschirmt durch eine Mauer innerhalb derer ein Eindringling Chaos hervorruft. Die beiden Künstlerinnen stellen sich den essenziellen Fragen nach den Grenzen zwischen Individuum und Herrschaft, Privatheit und Öffentlichkeit, Abgrenzung und Gemeinschaft. Wie funktioniert Herrschaft in der Stadt Perle, und worin besteht der Unterschied zu unserem System?

Auch in Unterpertingers Klangvorstellung begegnen sich zwei Welten: zwei persische werden drei europäischen Instrumenten gegenübergestellt – Kamanché und Tombak treffen auf Viola da Gamba, Schlagzeug und Pianoguts. Letzteres, ein Fragment eines Klaviercorpus, spielt die ausgebildete Jazz-Pianistin Juun.

Der Auseinandersetzung mit den Spieltechniken und Möglichkeiten der persischen Instrumente, die bei der Uraufführung auch von iranischen Musikern gespielt werden, steht die Einbindung der Countertenor-Stimme als Repräsentantin der europäischen Musikgeschichte gegenüber. Eine gemeinsame musikalische Welt? Konfrontation oder Symbiose? Oder nur ein Perspektivenwechsel durch zwei unterschiedliche Seiten?


An allen vier Tagen stehen im Pausenfoyer vor dem Mittleren Saal des Brucknerhauses Hörstationen mit Textpassagen aus Alfred Kubins Roman „Die andere Seite“ für das Publikum bereit.
In Kooperation mit dem Musiktheater Linz

Freitag, 5. Mai 2017  
Brucknerhaus, Mittlerer Saal, Linz, 19:30 Uhr
Kubiniana IV