Kubiniana I

Musik lebt dadurch, dass die Leute sie machen! Natürlich, man kann die Sixtinische Kapelle neu ausmalen – fragwürdig, ob das so schön ist, wie es früher war –; aber bei der Musik ist das anders, weil die Aufzeichnung in Schriftform nur eine ungefähre ist. So ist Musik zerbrechlicher als die Erzeugnisse der Bildenden Kunst.

 

György Ligeti

Christian Manuel Oliveira liest aus Alfred Kubins Roman „Die andere Seite“.

Suyang Kim, Klavier
Burghard Toelke, Violine
Klara Außerhuber, Violoncello
Theresa Dinkhauser, Klarinette
Asbjørn Bruun, Horn
Winfried Ritsch, Maschinist

John Cage, In a Landscape (1948)
Giampaolo Coral, Demoni e fantasmi notturni della città di Perla (1996)
Hans Erich Apostel, aus Kubiniana, op.13
Peter Lackner, Kanon für Klavierautomat (2003)
György Ligeti, Trio für Violine, Horn und Klavier (1982)

Alfred Kubins Schaffen war und ist Inspirationsquelle und Ausgangspunkt künstlerischer Konzeptionen der unterschiedlichsten KomponistInnen. Einer davon war der Italiener Giampaolo Coral (1944–2011), der sich oftmals auf Bilder von Meistern der 15. und 16. Jahrhunderts wie Hieronymus Bosch, Albrecht Dürer oder Pieter Bruegel bezog, aber auch auf die Moderne wie Paul Klee oder eben Kubin. 1997 komponierte er eine Art „Seelenmusik“, wie er sie selbst bezeichnete, und gab ihr den Titel von Kubins Autobiografie „Dämonen und Nachtgesichte“. Die Stücke dieses Zyklus nahmen dabei auf den Roman und die abgründig verstiegenen Bildwelten und Visionen des Zeichners Bezug. Hans Erich Apostels (1901–72) Klavierminiaturen „Kubiniana“ widmen sich wiederum seiner zeichnerischen Seite – kurze prägnante, skizzenhaft entworfene Stimmungsbilder. György Ligetis (1923–2006) nicht weniger kubinesk anmutendes Trio für Violine, Horn und Klavier ist Johannes Brahms gewidmet. In seiner Besetzung knüpft es an die romantische Tradition an. Über den Charakter des zweiten Satzes hielt der Komponist fest: „ein polymetrischer Tanz, inspiriert durch verschiedene Volksmusiken von nicht existierenden Völkern, als ob Ungarn, Rumänien und der ganze Balkan irgendwo zwischen Afrika und der Karibik liegen würden“ – fremdartige Klänge und seltsam versetzte Rhythmen, die man sich ebenso gut auch in den Künstlercafés und Kaschemmen von Kubins Traumstadt vorstellen könnte. Peter Lackners (*1966) „Kanon“ für Klavierautomat bringt die Skurrilität sich verselbständigender Maschinen mit sich: Kein Mensch könnte diese Partitur technisch am Klavier umsetzen, in seiner hämmernden Motorik entwickelt das Stück aber einen grotesken Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann: somnambuler Sound aus Perles Kellergewölben und unterirdischen Kavernen zwischen Mitternacht und Morgen.


An allen vier Tagen stehen im Pausenfoyer vor dem Mittleren Saal des Brucknerhauses Hörstationen mit Textpassagen aus Alfred Kubins Roman „Die andere Seite“ für das Publikum bereit.
In Kooperation mit dem Musiktheater Linz

Mittwoch, 3. Mai 2017  
Brucknerhaus, Mittlerer Saal, Linz, 21:00 Uhr
Kubiniana I